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Netzengpass

 

Auf dieser Seite erfahren Sie, wie die aktuelle Netzsituation aussieht, warum es derzeit zu Netzengpässen kommen kann und welche Maßnahmen ergriffen werden, um eine sichere Stromversorgung zu gewährleisten.

Netzengpass in der Ortenau

Seit 2024 ist ein deutlicher, sprunghafter Anstieg an Anschlussanfragen bei unserem vorgelagerten Verteilnetzbetreiber, der Netze BW, zu verzeichnen. Aus dieser Zuspitzung der Leistungsnachfrage resultiert eine Engpasssituation im 110-kV-Netz. Aktuell stehen daher im rot gekennzeichneten Netzgebiet nur noch sehr geringe freie Kapazitäten für neue Leistungsanfragen zur Verfügung. 

E-Werk Netze wurden im Oktober 2025 erstmals durch die Netze BW über die Problematik informiert, woraufhin die Taskforce "Netz2030" gegründet wurde - mit dem Ziel einer gemeinsamen Lösung: die Sicherstellung einer leistungsfähigen und zukunftsstarken Region.

 

Auf dieser Seite werden wir Sie immer über den aktuellsten Stand zum Netzengpass sowie dem Netzausbau informieren.

Was ist ein Netzengpass und wodurch entsteht er? 

Ein Netzengpass entsteht, wenn sich die Nachfrage nach weiteren Kapazitäten schneller entwickelt, als der dafür notwendige Netzausbau realisiert werden kann.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 (in Baden-Württemberg bereits bis 2040).
Die steigende Einspeisung aus erneuerbaren Energien sowie der wachsende Strombedarf durch den Einsatz von Wärmepumpen und dem Ausbau der Elektromobilität steigern die Belastung der Stromnetze kontinuierlich. Gleichzeitig dauert der Ausbau der Netze (unter anderem wegen langer Genehmigungsverfahren) oft viele Jahre. Zudem ist es für Netzbetreiber schwer vorherzusagen, wo und wann die Nachfrage steigt.  

Weitere Erklärungen zum Netz finden Sie hier.

Netzengpass_Autobahn

Vom Netzengpass betroffen ist das 110-kV-Netz – die sogenannte Hochspannung. 
Es gibt jedoch noch weitere Spannungsebenen:

Welche Spannungsebenen gibt es?

Höchstspannung (380 kV / 220 kV) – Netzbetreiber Transnet BW

  • Strom-Autobahnen für große Entfernungen
  • Transport großer Energiemengen über hunderte Kilometer

Hochspannung (110 kV) – Netzbetreiber Netze BW

  • Regionale Verteilung, ähnlich wie Bundesstraßen
  • Versorgung von Städten und Industrie 

Mittelspannung (10 bis 30 kV) – Netzbetreiber E-Werk Netze

  • Verteilung innerhalb von Städten und Gemeinden
  • Versorgung von Gewerbe und Trafostationen 

Niederspannung (230/400 V) – Netzbetreiber E-Werk Netze

  • Die letzte Ebene bis zur Steckdose
  • Versorgung von Haushalten und kleinen Betrieben

Welche Auswirkungen hat der Netzengpass auf die Region Mittelbaden?

Kleinere Lasten wie Hausanschlüsse oder Wärmepumpen von Einfamilienhäusern sind derzeit problemlos anzuschließen.  Bei energieintensiven Betrieben oder Anlagen wird es aber bereits eng und Lasten über 1 Megawatt (1 MW) können derzeit meist nicht angeschlossen werden.

Gewerbe & Industrie
Für bestehende und geplante Gewerbe- sowie Industriegebiete bestehen derzeit kaum Entwicklungsperspektiven.
Neue Ansiedlungen sowie Erweiterungen bestehender Produktionsbetriebe und logistiknahe Unternehmen sind nur eingeschränkt möglich.
 

Bürgerinnen & Bürger
Privathaushalte können weiterhin Wärmepumpen und Wallboxen anschließen.

Mobilität & Logistik
Der Ausbau von Schnellladeparks für E-PKW und E-LKW (auch entlang der A5) ist aktuell nur eingeschränkt umsetzbar. 
Einzelne Schnellladesäulen können stellenweise weiterhin realisiert werden.

 

Kritische Infrastruktur
Kritische Infrastrukturen, wie Krankenhäuser werden weiterhin zuverlässig versorgt.

Häufige Fragen zu den Auswirkungen

Wer ist vom Netzengpass betroffen?

Der Netzengpass betrifft große Teile des Versorgungsgebiets. Eine Übersicht der betroffenen Regionen ist in der entsprechenden Netzkarte dargestellt.

Es handelt sich dabei nicht nur um einzelne Adressen, sondern um eine großflächige Einschränkung der verfügbaren Netzkapazitäten.

Wie lange wird es vermutlich den Engpass geben?

Die von der Netze BW bisher angestoßenen Maßnahmen zur Verstärkung des 110-kV-Netzes werden voraussichtlich erst in etwa 10 Jahren vollumfänglich umgesetzt sein. E-Werk Netze arbeitet zusammen mit allen Partnern daran, deutlich schnellere Lösungen zu evaluieren und umzusetzen.

Besteht die Gefahr eines Stromausfalls?

Die Versorgungssicherheit ist weiterhin gewährleistet. Ein Stromausfall oder Blackout droht nicht.

Die Netzbetreiber stellen durch geeignete Maßnahmen sicher, dass das Stromnetz stabil betrieben wird. Allerdings können zusätzliche Leistungsanfragen aktuell nur eingeschränkt bedient werden, solange der Netzengpass besteht.

Helfen Photovoltaik und Batteriespeicher?

Photovoltaikanlagen sind weiterhin sinnvoll und können installiert werden. Sie tragen zur lokalen Stromerzeugung bei, lösen jedoch die Engpasssituation im Netz nicht grundlegend.

Auch Batteriespeicher können aktuell nur eingeschränkt zur Netzstabilisierung beitragen, da ihr Betrieb sich in der Regel am Strommarkt orientiert und nicht an der lokalen Netzsituation. Zudem ist es Netzbetreibern derzeit gesetzlich nicht erlaubt, solche Speicher selbst zu betreiben. 

Reicht die bestehende Netzinfrastruktur aus?

Die bestehenden Umspannanlagen und Netze sind nicht auf die zukünftig erwartete Last ausgelegt.

Da sich die Netzbelastung voraussichtlich deutlich erhöhen wird, ist ein umfassender Ausbau der gesamten Netzinfrastruktur notwendig, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.

Mehr Leistung benötigt – was ist aktuell möglich?

Wenn zusätzlicher Strombedarf besteht, kann weiterhin ein Antrag auf Netzanschluss oder Leistungserhöhung gestellt werden. Jeder Antrag wird individuell geprüft.

Je nach Situation kann es möglich sein, Leistung zeitlich begrenzt bereitzustellen oder durch steuerbare Lösungen flexibel anzupassen. In Einzelfällen kann auch eine Fernsteuerung von Anlagen vereinbart werden, um das Netz im Bedarfsfall zu entlasten.

Wie können Kommunen und Bürger:innen unterstützen?

Die Umsetzung notwendiger Maßnahmen kann durch verschiedene Faktoren unterstützt werden, zum Beispiel:

  • Bereitstellung geeigneter Flächen für Infrastrukturprojekte
  • Beschleunigung von Genehmigungsverfahren
  • Akzeptanz für notwendige Ausbaumaßnahmen

Diese Unterstützung kann dazu beitragen, die Dauer der Engpasssituation deutlich zu verkürzen.

Gibt es ein Risiko bei weiteren Anschlüssen?

Was passiert, wenn trotz Netzengpass weitere Verbraucher angeschlossen werden?
In solchen Fällen können einzelne Netzkomponenten überlastet werden. Das kann zu Schäden oder sogar zu sicherheitskritischen Situationen führen. Ein Beispiel: Fließt viel Strom durch eine Freileitung, erwärmen sich die Leiterseile, dehnen sich aus und hängen stärker durch. Dadurch können notwendige Sicherheitsabstände zum Boden oder zu Gebäuden unterschritten werden – die Leitung muss dann vorsorglich abgeschaltet werden.

Netzausbau - Netz 2030: Wie gehen wir mit dem Netzengpass um?

Um die aktuelle Engpasssituation zu bewältigen, arbeitet E-Werk Netze eng mit allen relevanten Akteuren sowie politischen Entscheidungsträgern zusammen. Dabei werden verschiedene Optionen geprüft, die sowohl eine kurzfristige Entlastung ermöglichen als auch den bereits geplanten Netzausbau beschleunigen. Ziel ist es, schnelle Lösungen umzusetzen und gleichzeitig eine langfristig stabile und zukunftsfähige Netzinfrastruktur zu schaffen.
Die zentrale Herausforderung liegt dabei aktuell nicht im Mittelspannungsnetz, sondern in der Anbindung an die übergeordneten Netzebenen. Daher wird insbesondere der Ausbau der bestehenden 220-kV-Leitung auf 380 kV vorangetrieben. Zusätzlich wird ein möglicher Direktanschluss an die 380-kV-Ebene geprüft – immer in enger Abstimmung mit den beteiligten Netzbetreibern. Ziel ist eine schnelle und gleichzeitig nachhaltige Verbesserung der Versorgungssituation.

Unser Ansatz

Wir verfolgen mehrere Optionen parallel, um die Engpasssituation möglichst schnell zu entschärfen und gleichzeitig langfristig zu lösen. Dabei setzen wir auf eine enge Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und eine abgestimmte Weiterentwicklung der Netzinfrastruktur. Nur so kann eine zuverlässige und zukunftsfähige Stromversorgung in der Region sichergestellt werden.

 

Warum nimmt der Netzausbau so viel Zeit in Anspruch? 

Die starke Zunahme der Leistungsnachfrage in den Jahren 2024 und 2025 war so nicht vorhersehbar. Gleichzeitig erfordert der Netzausbau umfangreiche Genehmigungs- und Umweltprüfverfahren, insbesondere im Bereich der 110-kV-Freileitungen. Diese Prozesse können viele Jahre in Anspruch nehmen, während die eigentliche Bauzeit vergleichsweise kurz ist. Insgesamt können Maßnahmen je nach Umfang bis zu zehn Jahre oder länger dauern.

Zentrale Begriffe im Überblick

Netzengpass

Ein Netzengpass entsteht, wenn zu viel Strom gleichzeitig durch das Stromnetz fließen soll. Das bedeutet, dass die Leistungsreserven im Netz derzeit so gering sind, dass wir größere Lastanmeldungen vorerst nicht bedienen können. Hier muss zuerst ein Netzausbau stattfinden. 
 

Lastmanagement

Stromverbrauch wird in der Energiewirtschaft oft als „Last“ bezeichnet. Das Lastmanagement beschreibt die aktive Steuerung der Stromnachfrage durch die teilweise Verlagerung des Stromverbrauchs. Dies bedeutet, dass die zur Verfügung stehende Leistung optimal auf alle Verbraucher verteilt wird, indem steuerbare Verbrauchseinrichtungen gezielt zu-, abgeschaltet oder in Teillastbetrieb umgestellt werden. Dies ist besonders durch den Zuwachs an Erneuerbaren Energien wie Solar- oder Windenergieanlagen wichtig, da diese sich nicht vollständig an die Stromnachfrage anpassen lassen und somit zu stärker schwankenden Strompreisen führen. Durch das Lastmanagement können Verbraucher optimal auf das schwankende Energieangebot reagieren und gleichzeitig können Netzentgelte besser angepasst werden. So bleibt das Stromnetz stabil und Kosten können gesenkt werden.

Lastspitzen

Lastspitzen bezeichnen Maximalbelastungen im Netz, die kurzfristig auftreten können. Sie entstehen beispielsweise beim Anlauf großer Maschinen oder an sehr kalten Tagen, wenn sämtliche Wärmepumpen eingeschaltet sind. Damit die im Netz vorhandenen Betriebsmittel (Leitungen, Transformatoren, etc.) nicht überlastet werden, legt der Netzbetreiber diese Betriebsmittel auf die Maximallasten, also die Lastspitzen, aus.

Redispatch

Redispatch ist eine der wichtigsten Maßnahmen der Netzbetreiber, um das Stromnetz stabil zu halten. Gemeint ist damit eine Änderung des Fahrplans (Dispatch) der Kraftwerke. Diese müssen den Übertragungsnetzbetreibern im Voraus melden, welche Leistung sie in das Netz einspeisen wollen. Zeigt sich dabei, dass Engpässe oder Überlastungen entstehen können, fordern die Übertragungsnetzbetreiber von den Kraftwerken die Änderungen ihrer Fahrpläne – den Redispatch. Vereinfacht gesagt: Einige Kraftwerke erzeugen dann weniger, andere mehr – je nachdem wo wieviel Strom benötigt wird. So bleibt das Stromnetz im Gleichgewicht und die Stromversorgung gesichert.  

Netzanschluss

Ein Netzanschluss ist die Verbindung zwischen einem Gebäude und dem Stromnetz. Über ihn wird Strom ins Gebäude geliefert oder auch eingespeist, zum Beispiel von einer Photovoltaikanlage.

Einspeisung

Einspeisung bedeutet, dass Strom ins Netz eingespeist wird – zum Beispiel aus Windkraft, Solaranlagen oder Kraftwerken. So wird Energie bereitgestellt, damit Haushalte und Unternehmen mit Strom versorgt werden. 

Eigensicherheit

Ein grundlegendes Sicherheitsprinzip in der Netzplanung ist das n-1-Kriterium. Es besagt, dass auch beim Ausfall der leistungsfähigsten Komponente die Versorgung weiterhin gewährleistet ist. Dies wird oft auch als eigensicher bezeichnet. Die Pflicht zur Einhaltung leitet sich aus dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) ab, das den sicheren Betrieb von Energieversorgungsnetzen vorschreibt.

Windhundprinzip

Ein heute gängiges Verfahren zur Verteilung freier Netzkapazitäten ist das Windhund-Verfahren. Hier erhält der Schnellste den Zuschlag, das heißt, das Datum der Anmeldung der Leistungserhöhung bzw. des Neuanschlusses beim Netzbetreiber ist entscheidend. Solange freie Kapazitäten bestehen, erhalten die Anfragenden den Zuschlag in der Reihenfolge der eingegangenen Anfragen. Hierbei ist unerheblich, welchem Zweck der Anschluss dient. Bei drohenden Netzengpässen ist dies nicht mehr zielführend.

Sie möchten mehr über das Stromnetz erfahren?

Netzengpässe lassen sich besser verstehen, wenn man den Aufbau des Stromnetzes kennt. Auf unserer Wissensseite erfahren Sie, wie Strom in Deutschland transportiert und verteilt wird und welche Rolle wir dabei spielen, haben wir einfach und verständlich für Sie erklärt.

 

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